Freitag, 12. Mai 2017

Faszination China


Der englische Botaniker

  • Gebundene Ausgabe: 500 Seiten
  • Verlag: HarperCollins 
  • ISBN-13: 978-3959671033
  • Originaltitel: Robert's Fortune
  • 22€


Eine tragische Liebe vor sinnlich-magischer Kulisse von Spiegel-Bestseller-Autorin Nicole C. Vosseler 

London, 1843: Sie nannten ihn das „Grüne Gold" – Tee. Und Robert Fortune, der englische Botaniker, soll ihn für die Horticultural Society aus China in die westliche Welt bringen. Während zu Hause Frau und Sohn auf ihn warten, begibt sich der verschlossene Wissenschaftler auf eine gefährliche Reise ins Reich der Mitte. Doch durch die Bekanntschaft mit dem Schwertmädchen Lian nimmt die Expedition eine verstörend sinnliche Wendung. Die in Kampfkunst geschulte ebenso mutige wie fragile  Rebellin lehrt ihn nicht nur Pflanzen und Tee zu kategorisieren. Sie öffnet auch den Weg zu seinem Herzen.




"Der englische Botaniker" ist ein Roman voller Sehnsucht und unerfüllter Träume. Die historischen Einblicke sind interessant und dennoch las ich manches Mal mit einem unguten Gefühl. Robert Fortune verlässt für Studien seine Frau und seine beiden Kinder. Durch Briefe und manche Gedanken von Jane bekommen wir Einblicke in ihre Ehe. Ich empfand Roberts Handeln oftmals als verstörend. Er hinterlässt seine Frau zwar nicht mittellos, aber eben doch sehr lieblos. Aus einem Jahr Forschung werden mehrere Jahre und es ist an seiner Frau die Kinder zu ernähren und zu erziehen. Im Heute wäre ich nicht gewillt, meinem Mann seine Selbstverwirklichung zuzugestehen, aber Jane harrt aus trotz missbilligender Blicke ihrer Umgebung. Als Robert dann auch noch mit Lian anbändelt, sank meine Sympathie noch mehr, da er eben eine Frau und zwei Kinder im fernen England hat und sich auf seiner Forschungsreise nur noch auf andere Dinge konzentriert, die nichts mit seinem Leben in England zu tun hat. Er scheint es zu vergessen und dies macht mich wirklich unzufrieden. Ich habe nichts gegen Liebesgeschichten oder Selbstverwirklichung, aber Jane hat diese Einsamkeit nicht verdient. Sie wartet, hofft und liebt einen Mann, der es meiner Meinung nach nicht verdient hat. Klar, andere Zeiten, aber dennoch sollte Leidenschaft niemals den Kopf so benebeln, dass man komplett aus der Verantwortung für andere Menschen tritt. Wäre Robert Single gewesen, hätte ich den Roman mit anderen Augen gelesen und die Schönheit Chinas anderes wahrnehmen können. So empfand ich es Jane gegenüber sehr unfair. 

Insgesamt gesehen ist der Roman sehr prachtvoll in seiner Fauna und Flora. Die Liebesgeschichte nimmt allerdings irgendwann sehr viel Raum ein, sodass die Farbenpracht der interessanten Pflanten förmlich erdrückt wird. Das Buch ist wunderbar geschrieben, aber meine Erwartung eine andere gewesen. Leider hat mich die Story nicht komplett erreicht, da ich Robert irgendwann einfach nicht mehr mochte und mir seine Träume und Selbstverwirklichungen komplett gegen den Strich gingen. Ansonsten ein schönes Buch für zwischendurch, welches sich allerdings nicht in mein Herz schleichen konnte. Vielleicht liegt es einfach nur daran, dass ich selbst Ehefrau und Mutter bin und dieses Verhalten sicherlich in einer Scheidung geendet hätte, was 1843 für einen Skandal gesorgt hätte?

 ★★★

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