Sonntag, 11. Juni 2017

Poetisch und Tiefgründig

Salvatore Basile

Die wundersame Reise eines verlorenen GegenstandsRoman

Gebundenes Buch mit SchutzumschlagISBN: 978-3-7645-0600-119,99€blanvalet



Nur wer sich verliert, kann sich auch finden ...

Seit seine Mutter ihn als Kind verlassen hat, lebt der dreißigjährige Michele von der Außenwelt abgeschottet im Bahnhofshäuschen eines verschlafenen, idyllischen Dorfs in Italien. Seine einzige Gesellschaft sind die liegengebliebenen Gegenstände, die er im täglich ein- und ausfahrenden Zug einsammelt und in seinem Zuhause um sich schart. Doch dann begegnet ihm Elena, die sein Leben wie ein Wirbelwind auf den Kopf stellt und ihn aus seiner Einsamkeit reißt. Als er kurz darauf sein altes Tagebuch wiederfindet, das seine Mutter damals mitnahm, als sie aus seinem Leben verschwand, gibt dies den Anstoß für eine wundersame Reise quer durch Italien, die Micheles ganzes Leben verändern wird …






"Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands" ist eine Story, die aufzeigt, wie schmerzlich Verlassen werden ist und wie sonderbar sich daher Menschen verhalten, um nicht immer und immer wieder verletzt zu werden. Michele hat sich komplett zurückgezogen und umgibt sich mit Dingen, die andere im Zug vergessen. Vielleicht ist es ein klein wenig so, dass er auch vergessen wurde oder sich zumindest so fühlt? Mich hat es schmerzlich berührt in die Tiefen seiner Seele zu schauen und dort zu verharren. Ihn im Heilungsprozess zu beobachten ist sehr interessant und am meisten traf mich, dass das Verlassen werden einen riesigen Rattenschwanz hinter sich herzog, an dem viele andere Personen beteiligt waren unter anderem auch Micheles Vater, der selbst ein gebrochener Mann war. Zornig, voll Wut und Hass. Wie kann ein solcher Mann ein Kind erziehen? Wer zwischen den Zeilen hört, wird erkennen, wie schmerzlich ein Fortgehen sein kann und wie wichtig es ist, Vergangenes aufzuarbeiten. Durch Elena bekommt Michele einen Anstoss, der ihn aus seiner Lethargie befreit und ihn verändert zurückkommen lässt. Verändert genug, um etwas Neues anzufangen und Altes mit anderen Augen zu sehen. Mir hat es sehr gefallen, dass der eigentümliche Michele eine Wandlung durchmacht, die äußerst positiv ist. Vorher wirkte er regelrecht depressiv, da er wenig Kontakte nach außen hatte und sich tatsächlich auf die Reise begibt seine Mutter und Antworten zu finden. Das Tagebuch seiner Kindheit ist der Schlüssel und auch die Erinnerungen Micheles an seine Kindheit sind aufschlussreich darüber der Wahrheit begegnen zu können. 

Gerne vergebe ich eine Leseempfehlung an "Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands", da mir die Story einige gelungene Lesestunden beschert hat. Dem Autor ist es gelungen den Protagonisten echtes Leben einzuhauchen und die Story sehr einfühlsam wiederzugeben. Für mich war es rundum gelungen, denn es löst sich letztendlich ein Knoten, der platzt und Micheles Leben einen Neuanfang beschert, indem Elena nicht ganz unbeteiligt bleiben wird. Drama, Liebesgeschichte und Familienbande vereinen sich ganz intensiv und berührten mich zutiefst. Gerade das Ende war hervorragend und klärt letztendlich auch, warum Michele sein Tagebuch wieder in Händen halten konnte. "Die wundersame Reise eines verlorenen Gegenstands" verbirgt einige gelungene Überraschungen, die mich komplett begeistern konnten. 

★★★★ 

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen