Freitag, 24. November 2017

Gegenwart und Vergangenheit großzügig vermischt



Ragnar Jónasson

Blindes Eis

Fischer Taschenbuch
336 Seiten - ISBN: 978-3-596-29752-8 - 10,99€ - Fischer Taschenbuch
Im Norden Islands, einem Nachbarort von Siglufjördur, ziehen in den Fünfzigerjahren zwei junge Ehepaare auf einen verlassenen, abgelegenen Bauernhof. Doch ihr gemeinsames Leben dort endet jäh, als eine der beiden Frauen unter mysteriösen Umständen zu Tode kommt. 
Sechzig Jahre später taucht ein Foto auf, das zeigt: Die vier waren damals nicht alleine dort draußen in der Wildnis… Ari Thór Arason, Polizist in Siglufjördur, rollt diesen alten Fall noch einmal auf und findet viele Ungereimtheiten. Mit Hilfe von Isrún, einer befreundeten Journalistin in Reykjavík, die selbst in einem komplizierten Fall von Kindesentführung und Mord recherchiert, deckt er die wahren Hintergründe hinter den tragischen Geschehnissen von damals auf.

Eindringlich, packend und komplex: „Blindes Eis“ ist ein dunkler und atmosphärischer Thriller, in dem mysteriöse Ereignisse aus Vergangenheit und Gegenwart völlig überraschende Wendungen nehmen.





"Blindes Eis" ist der dritte Band einer Thrillerreihe, der unabhängig von den anderen Bänden gelesen werden kann. Mir persönlich ist kein Bezug zu den vorherigen Büchern aufgefallen, sodass ich nicht durch Rückblicke auf andere aufzuklärende Fälle in meinem Lesefluss gestört worden wäre. Auffällig ist der Schauplatz Island, der trotz seiner Schönheit dennoch gewahr werden lässt, dass die fehlenden Sonnentage Menschen schwermütig oder regelrecht depressiv werden lässt. Dieses Phänomen wird sehr deutlich dargestellt und hat auch einen leichten Anteil daran, dass der Thriller um einiges kälter wirkt. Faszinierend ist, dass Gegenwart und Vergangenheit, die immerhin 60 Jahre zurück liegt miteinander verknüpft wird. Als Leserin blieb ich lange im Dunkeln und hatte keine Vorstellung davon, wohin mich der Autor führen möchte. Sehr gelungen ist die Spannung, die ab der ersten Seite spürbar ist und sich mehr und mehr aufbaut. Thrillerelemente fehlen zwar komplett, sodass ich das Buch eher in die Genre Krimi einordnen würde, dennoch empfand ich "Blindes Eis" als interessant und bezeichnend. Ungewöhnliche Protagonisten, die von ihrer Vergangenheit eingeholt werden und es deutlich wird, dass Lügen oder Verdrängung dazu führen können, alles zu verlieren.  Der Fall in der Gegenwart ist zwar recht interessant, aber den Todesfall in der Vergangenheit aufzuklären ist viel mysteriöser und gibt der Story das gewisse Etwas. Den aktuellen Fall alleine dargestellt hätte mich nicht zufriedengestellt, da es fast schon zu offensichtlich ist, was sich abgespielt hat und was sich noch abspielen wird. Anhand eines alten Fotos auf Spurensuche zu gehen belebte sehr und erhielt die Spannung aufrecht.

Fazit: "Blindes Eis" bietet eine gewisse Spannung die sich nach und nach aufbaut, um dann zum Ende hin zufriedenstellend eine Lösung, bzw. eine Aufklärung zu bieten. Thrillerelemente sind nicht vorhanden, was der Story aber nicht zum Nachteil dient. Mir hat "Blindes Eis" sehr gefallen, denn eine gewisse Düsternis ist vorhanden, was natürlich auch ein klein wenig auf Island zurückzuführen ist. Gerne spreche ich eine Leseempfehlung aus, da mir der Schreibstil zusagen konnte und die 336 Seiten sehr zügig gelesen waren, da der Spannungsaufbau wirklich gelungen ist.

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