Freitag, 10. November 2017

Starke Liebesgeschichte mit kleinen Schwächen


Lilli Beck

Wie der Wind und das MeerRoman

Gebundenes Buch mit SchutzumschlagISBN: 978-3-7645-0577-6

19,99€blanvalet

»Halt dein Gesicht in den Regen, jeder Tropfen ist ein Kuss von mir ...«

München, April 1945. Nach einem verheerenden Fliegerangriff irrt der elfjährige Paul mit einem Koffer durch die Trümmerlandschaft. Auf der Suche nach einem Versteck trifft er auf ein kleines Mädchen. Sie heißt Sarah, hat wie er ihre Familie verloren – und sieht Pauls Schwester verblüffend ähnlich. Um in der verwüsteten Stadt nicht allein zu sein und von den Behörden nicht getrennt zu werden, schließen Paul und Sarah einen Pakt: Von nun an werden sie sich als Geschwister ausgeben. Ihr Plan geht auf. Doch wie hätten sie ahnen können, dass Jahre später ihre Notlüge ihr Verhängnis werden würde – und dass sie sich würden verstecken müssen, um sich lieben zu dürfen …





"Wie der Wind und das Meer" ist ein schmerzlicher Roman, deren Liebesgeschichte sich erst nach und nach entwickeln konnte. Durch den Klappentext und den vielfachen Rezensionen zum Buch waren meine Erwartungen sehr hoch. Letztendlich konnte ich die Story nicht so sehr genießen, wie ich es mir erhofft hatte. Ein großer Wehmutstropfen bietet das Ende, welches ich so nicht erwartet hatte und mir das letzte bisschen Hoffnung zunichte machte. Eine Liebe die nicht sein darf und sich viele Seiten lang hinzieht, um mit einem großen Knall zu enden ohne die Bestätigung dessen, dass Wind und Meer zusammengehören. Sehr viel Drama und schwere Schicksale und dennoch kein Happy End? Für mich war es das erste Buch der Autorin, daher war ich fast unvoreingenommen. Ich freute mich auf echte Liebe und dachte, dass ich mich sanft hätte berieseln lassen können, dem war nicht so, denn die Schicksale der beiden Protagonisten gehen nah. 

Lilli Beck hat das Kriegsgeschehen und den großen Überlebenswillen sehr authentisch wiedergegeben. Die Lüge die Paul und Sarah / Rosalie um sich herum weben hat irgendwann eine so starke Macht, dass die Wahrheit nicht mehr ausgesprochen werden kann. Eine wachsende Liebe ohne Zukunft, die beide dazu verdammt das Leben getrennt voneinander aufzubauen und dauerhaft unglücklich zu sein. Leider bot mir "Wie der Wind und das Meer" zu wenig schöne Momente, denn das Drama überwiegt. 

Der Schreibstil ist sehr gelungen und vieles ist auch wunderbar und glaubhaft ausgeführt und dennoch konnte mich der Roman emotional nicht wirklich berühren. Die Liebe ist stark und dennoch empfand ich Paul und auch Rosalie als schwach, denn wer sich liebt hat die Kraft erneut Neues aufzubauen. Es entstehen weitere Lügen, die zu weiteren Lügen führen und irgendwann ist es zu spät sich der Wahrheit anzunähern.

Die Story ist definitiv bildlich und das Grauen des Geschehens stand mir regelrecht vor Augen, was ich letztendlich als sehr positiv bewerten kann. Bücher sind Geschmackssache und daher kann ich trotz aller kleinen Kritiken dazu auffordern, sich selbst ein Bild machen zu wollen, denn das, was mir vielleicht nicht gefallen hat, kann anderen Lesern vielleicht doch überzeugen. Mir war "Wie der Wind und das Meer" leider zu dramatisch, um in mir ein gutes Gefühl zu hinterlassen. Eine Leseempfehlung möchte ich dennoch aussprechen für ein für mich äußerst dramatisches Buch, welches viele gelungene Facetten aufwies und dennoch nicht komplett überzeugte. Mir fällt es immer schwer einen Roman zu bewerten, der in der Mehrzahl seiner Leserschaft wunderbar aufgenommen wurde, aber ich möchte für mich bei der Wahrheit bleiben, welche Emotionen "Wie der Wind und das Meer" in mir freigesetzt hat, denn Lügen gab es im Roman schon zu genüge. Es zeigte sich erneut, wie schnell diese ausgesprochen werden und wie schwer es ist sie wieder in Wahrheit zu verwandeln. Der Grund diente dem Überleben, aber irgendwann wäre ein Aufdecken dessen nötig gewesen, um Glück und Freiheit für die Liebe empfangen zu können.

★★★ (3,5 Sterne)

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